So war 'Yes, Afri-can!"
Anpfiff für ein neues, selbstbewusstes Afrika
Drei Wochen vor dem Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika fand am 17. Mai unsere Diskussionsrunde "Yes, African! Anpfiff für ein neues, selbstbewusstes Afrika" statt. Moderiert von Viola von Cramon debattierte Kerstin Müller mit Expertinnen und Experten die Frage: Welchen Einfluss könnte die Fußball-WM auf die Entwicklungsprozesse in Politik und Gesellschaft in Afrika haben?
Willi Lemke, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung, Pablo Thiam, Sportlicher Leiter der U23 des VfL Wolfsburg und ehemaliger Profispieler in der deutschen Bundesliga und in Guinea, sowie Andrea Kühn, Leiterin der Politischen Abteilung der Botschaft der Republik Südafrika und Andreas Mehler, Direktor des GIGA-Instituts für Afrika Studien lieferten eine spannende Diskussion. Die Veranstaltung war gleichzeitig der Auftakt zu unserer Veranstaltungsreihe "Forum-Partnerschaft mit Afrika", einer Reihe von Fachgesprächen zu zentralen afrikapolitischen Themen, die halbjährlich stattfinden werden.
Der Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung Willi Lemke übergibt Kerstin Müller einen Fußball, den Kinder aus afrikanischen Slums aus Müll und Naturprodukten gefertigt haben. (4 Bilder)
Ein neues Afrika-Bild bei uns?
Jenseits der WM-Chancen für Deutschland gehe es auch um die Fragen zu Chancen, Risiken und Schwächen in der Partnerschaft zwischen Afrika und der EU, sagte Dr. Frithjof Schmidt, der als stellvertretender Fraktionsvorsitzender die Gäste begrüßte. So sei die Frage nach einer ökologischen, sozialen und nachhaltigen Wirtschaftspolitik, die nicht Konflikte in Afrika schürt, sondern dort Wohlstand und Entwicklung schafft, wichtig.
Viola von Cramon eröffnete anschließend die Diskussion mit der Frage:
"War es überhaupt richtig, die Weltmeisterschaft an ein Land wie Südafrika zu vergeben, das auch 16 Jahre nach Ende der Apartheid mit erheblichen sozialen Problemen zu kämpfen hat?"
Ohne zu zögern, beantworteten alle Diskutierenden die Frage mit ja. Schließlich sei Afrika der letzte Kontinent, auf dem noch keine WM stattgefunden habe – und dass, obwohl die Fußballbegeisterung gerade in Afrika riesig sei. Die Erwartungen an die WM dürften aber nicht soweit überzogen werden, dass mit dem Fußballfest konkrete politische Verbesserungen eintreten würden.
Auf die Frage, ob das Sommermärchen 2006 sich in Südafrika als Wintermärchen 2010 fortsetzen könne, gab Pablo Thiam zu bedenken, dass die WM 2006 in Deutschland etwas anderes gewesen sei. 2006 sei es "nur" darum gegangen, das Bild der "langweiligen" Deutschen zu korrigieren. In Afrika sei der Fall jedoch komplizierter, da hier viele Probleme zusammenkommen würden.
Auch Herr Mehler hielt Erfolge eher auf der Mikro-Ebene für denkbar. Dabei kritisierten sowohl er als auch Herr Lemke die wenig hilfreiche Berichterstattung, die zu negativ, zu wenig objektiv und umfassend sei und viel zu wenig über den Tellerrand des Fußballs hinausblicken würde. Die Chance müsse ergriffen werden, um endlich ein differenzierteres Bild von Südafrika und den anderen afrikanischen Ländern und Kulturen zu vermitteln, um Vorurteile abzubauen und Toleranz aufzubauen.
Ärgerliche und überflüssige Diskussion
Symptomatisch für diese Schieflage der Debatte war für Herrn Lemke die ärgerliche und überflüssige Diskussion, ob das laute afrikanische Fan-Horn, die Vuvuzela verboten werden sollte, während bei uns laut grölende Fanblocks, die inakzeptable Parolen brüllten, keiner Diskussion wert seien. Auch Pablo Thiam machte deshalb noch einmal klar, dass wir akzeptieren müssten, dass die WM in Afrika anders schön sein werde als die WM 2006 und vor allem viel, viel lauter.
Kerstin Müller sagte, dass die Wahrnehmung eines differenzierteren Afrika-Bildes dringend nötig sei, weil sich über die Jahre hinweg Klischees wie vom verlorenen, hoffnungslosen schwarzen Kontinent verfestigt hätten, die mit den Realitäten in 53 unterschiedlichen Staaten nur wenig zu tun hätten. Afrika sei schon lange mehr als eine entwicklungspolitische Herausforderung, denn das Afrika von heute sei in Bewegung.
Das zeige die Gründung der Afrikanischen Union, eigene Entwicklungsinitiativen der Afrikaner wie das New Partnership for Africa´s Development (NEPAD), immer mehr demokratische Wahlen und der relative Rückgang der Armut, aber auch die zunehmende Bedeutung des Kontinents bei der Gestaltung der Globalisierung. Pablo Thiam fügte hinzu, dass Afrika schöne Seiten habe und es gelte, diese den Menschen bei der Diskussion über Afrika näherzubringen. "Nur von dem, was Du nicht kennst, wendest Du Dich ab", beschrieb er zutreffend das Problem einer falschen Perspektive.
Neuer Zusammenhalt auf dem Kontinent?
Viola von Cramon warf die Frage auf, ob die FIFA eine WM nur für die Reichen sei, sie also eine WM an der Gesellschaft vorbei organisiere, an der allein die FIFA sich gesundstoßen würde, während viele Menschen in Südafrika weiterhin in Armut lebten. Von dieser These hielt Herr Lemke nichts. Er hielt es sogar für sehr wahrscheinlich, dass die FIFA am Ende draufzahlen müsse, weil ihr Präsident, Herr Blatter sich persönlich für die WM-Austragung in Südafrika eingesetzt hatte und jetzt für den Erfolg der WM gerade stehen müsse. Frau Kühn verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die FIFA mit der WM in Südafrika außergewöhnliche Wege beschritten hätte, damit das Fußballfest gerade keines allein für die Reichen würde. So biete die FIFA verbilligte Ticket-Kontingente an und verzichte auf Lizenzgebühren zum public-viewing.
Frau Kühne lobte ausdrücklich auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, die sich über die Entwicklungsagentur Inwent für eine nachhaltige Stadtentwicklung eingesetzt habe. Sie betonte, dass dieser Einsatz exemplarisch für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe gewesen sei. Zunächst einmal sei zugehört worden, welche Ideen die afrikanische Seite habe, dann wurde geplant. Herr Lemke fügte hinzu, wie wichtig dies für eine nachhaltige Politik sei, weil gerade in der Entwicklungszusammenarbeit in der Vergangenheit viel zu viel Geld in viel zu kurzfristigen Projekten verbrannt worden sei.
Die Frage , was mit den vielen Township-Bewohnerinnen und Bewohnern und Kindern geschehen sei, die dem Stadion- und Straßenbau in Durban weichen mussten, blieb leider unbeantwortet im Raum stehen. Frau Kühn gab zwar zu, dass auch nach der WM viele Probleme wie die hohe Arbeitslosigkeit wohl fortbestehen würden. Doch habe die WM als Katalysator für ein neues Infrastrukturprogramm der südafrikanischen Regierung gedient, das letztlich allen Menschen zugute kommen werde.
Zu der Bedeutung des Fußballs für Afrika brachte Pablo Thiam noch eine ganz persönliche Note in die Diskussion ein. Er berichtete von seinen Erfahrungen als Nationalspieler für Guinea im Africa-Cup. Die Menschen hätten regelmäßig die Straßen vom Hotel bis ins Stadion gesäumt und eine Woge der Begeisterung sei auf die Spieler übergesprungen. Fußball bringe die Menschen eben zusammen und einander näher. Er prognostizierte, dass egal welche afrikanische Mannschaft auch immer weiterkomme, diese Mannschaft auf die Unterstützung ganz Afrikas zählen könne.
Partnerschaft auf Augenhöhe
Für Kerstin Müller kam es dabei darauf an, inwieweit es gelänge, mit Afrika eine tragfähige und ehrliche Partnerschaft auf Augenhöhe einzugehen, so wie es mit der gemeinsamen EU-Afrika-Strategie vom Dezember 2007 in Lissabon von beiden Seiten beschlossen worden war. So müssten beide Seiten sich davor hüten, gute Regierungsführung, Menschenrechts- und Klimaschutz auf dem Altar eines zügellosen Marktkapitalismus zu opfern. Wohin das führe, habe die Finanz- und Wirtschaftskrise nur zu deutlich gezeigt.
Zentral seien für eine Partnerschaft auch gerechte Handelsbeziehungen. Dazu müssten die EU-Subventionen für ihre Agrarexporte beendet und die EU-Handelsschranken für afrikanische Produkte abgeschafft werden. 10 Jahre nach dem Startschuss der EU-Afrika Partnerschaft in Kairo und 3 Jahre nach der Verabschiedung der gemeinsamen EU-Afrikastrategie biete sich jetzt die Chance zu einer Anpassung der Beziehungen. Konkret sprach Frau Kühn das Problem der EU-Handelsabkommen mit einzelnen afrikanischen Regionen, die sog. Economic Partnership Agreement´s (EPAs) an, die die Integrationsprozesse wie im Rahmen der Zollunion im südlichen Afrika (SACU) verhindern würden. Die Debatte erfordere die Verantwortung beider Seiten.
2010-06-03T00:00:00So war 'Yes, Afri-can!"Drei Wochen vor dem Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika unsere Diskussionsrunde „Yes, African! Anpfiff für ein neues, selbstbewusstes Afrika“ statt. Welchen Einfluss wird die Fußball-WM auf die Entwicklungsprozesse in Afrikas Politik und Gesellschaft haben? falseWMFußballweltmeisterschaftSüdafrikaAUAnpfiff für ein neues, selbstbewusstes Afrika
Drei Wochen vor dem Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika fand am 17. Mai unsere Diskussionsrunde "Yes, African! Anpfiff für ein neues, selbstbewusstes Afrika" statt. Moderiert von Viola von Cramon debattierte Kerstin Müller mit Expertinnen und Experten die Frage: Welchen Einfluss könnte die Fußball-WM auf die Entwicklungsprozesse in Politik und Gesellschaft in Afrika haben?
Willi Lemke, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung, Pablo Thiam, Sportlicher Leiter der U23 des VfL Wolfsburg und ehemaliger Profispieler in der deutschen Bundesliga und in Guinea, sowie Andrea Kühn, Leiterin der Politischen Abteilung der Botschaft der Republik Südafrika und Andreas Mehler, Direktor des GIGA-Instituts für Afrika Studien lieferten eine spannende Diskussion. Die Veranstaltung war gleichzeitig der Auftakt zu unserer Veranstaltungsreihe "Forum-Partnerschaft mit Afrika", einer Reihe von Fachgesprächen zu zentralen afrikapolitischen Themen, die halbjährlich stattfinden werden.
Der Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung Willi Lemke übergibt Kerstin Müller einen Fußball, den Kinder aus afrikanischen Slums aus Müll und Naturprodukten gefertigt haben. (4 Bilder)
Ein neues Afrika-Bild bei uns?
Jenseits der WM-Chancen für Deutschland gehe es auch um die Fragen zu Chancen, Risiken und Schwächen in der Partnerschaft zwischen Afrika und der EU, sagte Dr. Frithjof Schmidt, der als stellvertretender Fraktionsvorsitzender die Gäste begrüßte. So sei die Frage nach einer ökologischen, sozialen und nachhaltigen Wirtschaftspolitik, die nicht Konflikte in Afrika schürt, sondern dort Wohlstand und Entwicklung schafft, wichtig.
Viola von Cramon eröffnete anschließend die Diskussion mit der Frage:"War es überhaupt richtig, die Weltmeisterschaft an ein Land wie Südafrika zu vergeben, das auch 16 Jahre nach Ende der Apartheid mit erheblichen sozialen Problemen zu kämpfen hat?"
Ohne zu zögern, beantworteten alle Diskutierenden die Frage mit ja. Schließlich sei Afrika der letzte Kontinent, auf dem noch keine WM stattgefunden habe – und dass, obwohl die Fußballbegeisterung gerade in Afrika riesig sei. Die Erwartungen an die WM dürften aber nicht soweit überzogen werden, dass mit dem Fußballfest konkrete politische Verbesserungen eintreten würden.
Auf die Frage, ob das Sommermärchen 2006 sich in Südafrika als Wintermärchen 2010 fortsetzen könne, gab Pablo Thiam zu bedenken, dass die WM 2006 in Deutschland etwas anderes gewesen sei. 2006 sei es "nur" darum gegangen, das Bild der "langweiligen" Deutschen zu korrigieren. In Afrika sei der Fall jedoch komplizierter, da hier viele Probleme zusammenkommen würden.
Auch Herr Mehler hielt Erfolge eher auf der Mikro-Ebene für denkbar. Dabei kritisierten sowohl er als auch Herr Lemke die wenig hilfreiche Berichterstattung, die zu negativ, zu wenig objektiv und umfassend sei und viel zu wenig über den Tellerrand des Fußballs hinausblicken würde. Die Chance müsse ergriffen werden, um endlich ein differenzierteres Bild von Südafrika und den anderen afrikanischen Ländern und Kulturen zu vermitteln, um Vorurteile abzubauen und Toleranz aufzubauen.
Ärgerliche und überflüssige Diskussion
Symptomatisch für diese Schieflage der Debatte war für Herrn Lemke die ärgerliche und überflüssige Diskussion, ob das laute afrikanische Fan-Horn, die Vuvuzela verboten werden sollte, während bei uns laut grölende Fanblocks, die inakzeptable Parolen brüllten, keiner Diskussion wert seien. Auch Pablo Thiam machte deshalb noch einmal klar, dass wir akzeptieren müssten, dass die WM in Afrika anders schön sein werde als die WM 2006 und vor allem viel, viel lauter.
Kerstin Müller sagte, dass die Wahrnehmung eines differenzierteren Afrika-Bildes dringend nötig sei, weil sich über die Jahre hinweg Klischees wie vom verlorenen, hoffnungslosen schwarzen Kontinent verfestigt hätten, die mit den Realitäten in 53 unterschiedlichen Staaten nur wenig zu tun hätten. Afrika sei schon lange mehr als eine entwicklungspolitische Herausforderung, denn das Afrika von heute sei in Bewegung.
Das zeige die Gründung der Afrikanischen Union, eigene Entwicklungsinitiativen der Afrikaner wie das New Partnership for Africa´s Development (NEPAD), immer mehr demokratische Wahlen und der relative Rückgang der Armut, aber auch die zunehmende Bedeutung des Kontinents bei der Gestaltung der Globalisierung. Pablo Thiam fügte hinzu, dass Afrika schöne Seiten habe und es gelte, diese den Menschen bei der Diskussion über Afrika näherzubringen. "Nur von dem, was Du nicht kennst, wendest Du Dich ab", beschrieb er zutreffend das Problem einer falschen Perspektive.
Neuer Zusammenhalt auf dem Kontinent?
Viola von Cramon warf die Frage auf, ob die FIFA eine WM nur für die Reichen sei, sie also eine WM an der Gesellschaft vorbei organisiere, an der allein die FIFA sich gesundstoßen würde, während viele Menschen in Südafrika weiterhin in Armut lebten. Von dieser These hielt Herr Lemke nichts. Er hielt es sogar für sehr wahrscheinlich, dass die FIFA am Ende draufzahlen müsse, weil ihr Präsident, Herr Blatter sich persönlich für die WM-Austragung in Südafrika eingesetzt hatte und jetzt für den Erfolg der WM gerade stehen müsse. Frau Kühn verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die FIFA mit der WM in Südafrika außergewöhnliche Wege beschritten hätte, damit das Fußballfest gerade keines allein für die Reichen würde. So biete die FIFA verbilligte Ticket-Kontingente an und verzichte auf Lizenzgebühren zum public-viewing.
Frau Kühne lobte ausdrücklich auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, die sich über die Entwicklungsagentur Inwent für eine nachhaltige Stadtentwicklung eingesetzt habe. Sie betonte, dass dieser Einsatz exemplarisch für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe gewesen sei. Zunächst einmal sei zugehört worden, welche Ideen die afrikanische Seite habe, dann wurde geplant. Herr Lemke fügte hinzu, wie wichtig dies für eine nachhaltige Politik sei, weil gerade in der Entwicklungszusammenarbeit in der Vergangenheit viel zu viel Geld in viel zu kurzfristigen Projekten verbrannt worden sei.
Die Frage , was mit den vielen Township-Bewohnerinnen und Bewohnern und Kindern geschehen sei, die dem Stadion- und Straßenbau in Durban weichen mussten, blieb leider unbeantwortet im Raum stehen. Frau Kühn gab zwar zu, dass auch nach der WM viele Probleme wie die hohe Arbeitslosigkeit wohl fortbestehen würden. Doch habe die WM als Katalysator für ein neues Infrastrukturprogramm der südafrikanischen Regierung gedient, das letztlich allen Menschen zugute kommen werde.
Zu der Bedeutung des Fußballs für Afrika brachte Pablo Thiam noch eine ganz persönliche Note in die Diskussion ein. Er berichtete von seinen Erfahrungen als Nationalspieler für Guinea im Africa-Cup. Die Menschen hätten regelmäßig die Straßen vom Hotel bis ins Stadion gesäumt und eine Woge der Begeisterung sei auf die Spieler übergesprungen. Fußball bringe die Menschen eben zusammen und einander näher. Er prognostizierte, dass egal welche afrikanische Mannschaft auch immer weiterkomme, diese Mannschaft auf die Unterstützung ganz Afrikas zählen könne.
Partnerschaft auf Augenhöhe
Für Kerstin Müller kam es dabei darauf an, inwieweit es gelänge, mit Afrika eine tragfähige und ehrliche Partnerschaft auf Augenhöhe einzugehen, so wie es mit der gemeinsamen EU-Afrika-Strategie vom Dezember 2007 in Lissabon von beiden Seiten beschlossen worden war. So müssten beide Seiten sich davor hüten, gute Regierungsführung, Menschenrechts- und Klimaschutz auf dem Altar eines zügellosen Marktkapitalismus zu opfern. Wohin das führe, habe die Finanz- und Wirtschaftskrise nur zu deutlich gezeigt.
Zentral seien für eine Partnerschaft auch gerechte Handelsbeziehungen. Dazu müssten die EU-Subventionen für ihre Agrarexporte beendet und die EU-Handelsschranken für afrikanische Produkte abgeschafft werden. 10 Jahre nach dem Startschuss der EU-Afrika Partnerschaft in Kairo und 3 Jahre nach der Verabschiedung der gemeinsamen EU-Afrikastrategie biete sich jetzt die Chance zu einer Anpassung der Beziehungen. Konkret sprach Frau Kühn das Problem der EU-Handelsabkommen mit einzelnen afrikanischen Regionen, die sog. Economic Partnership Agreement´s (EPAs) an, die die Integrationsprozesse wie im Rahmen der Zollunion im südlichen Afrika (SACU) verhindern würden. Die Debatte erfordere die Verantwortung beider Seiten.
Afrika am Ball! Special der Heinrich-Boell-Stiftung