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17. Februar 2010

20 Jahre freies Südafrika

Mandelas "long walk to freedom" damals und heute

Es war ein bewegender, ein historischer Moment für Südafrika und die ganze Welt als Nelson Rolihlahla Mandela vor 20 Jahren als freier Mann das Victor-Verster-Gefängnis verließ. Seine ersten Schritte in die Freiheit mit erhobener Faust besiegelten für jeden sichtbar das Scheitern des Apartheid-Regimes und markierten den Neuanfang eines demokratischen Südafrika. Eine neue Zeitrechnung begann. Alles schien plötzlich möglich am Kap der Guten Hoffnung nicht zuletzt als Mandela vier Jahre später zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt wurde.

Anders als von vielen weißen Afrikaans erwartet, war Mandela, das weltweite Symbol des Widerstands, selbst nach 27 Jahren Haft nicht auf Rache, sondern Ausgleich aus. Er wollte den Hoffnungen und den Ängsten von Schwarzen und Weißen gerecht werden und eine neue Regenbogennation schaffen. Seine Glaubwürdigkeit dafür schöpft er aus seinem Charisma, seiner eisernen Selbstdisziplin und dem Umstand, dass er seinen weißen Peinigern keinerlei Verbitterung entgegenbrachte. Das ist Mandelas wichtigstes Vermächtnis bereits zu Lebzeiten: Ohne Aussöhnung kann es keinen Frieden, keine Demokratie und keine Freiheit geben.

Es ist Mandelas Weitsicht und der Einsicht des letzten Präsidenten des Unrecht-Regimes Willem De Klerk zu verdanken, dass die Apartheid ohne einen blutigen Bürgerkrieg endete. Dafür haben beide zurecht den Friedensnobelpreis erhalten.

Mandela zog die Kraft, um seine Visionen umzusetzen, aus seiner einzigartigen Inspiration. Diese Inspiration ist es gewesen, die ihn Robben Island überstehen ließ. Diese Inspiration ist es aber auch gewesen, die ihn dazu brachte den Sport für Versöhnung und Integration zu nutzen und den weißen Rugby-Sport nicht nur am Leben zu erhalten, sondern ihn aktiv zu unterstützen. Die Geschichte gab ihm recht. Der Gewinn der Rugby-Weltmeisterschaft 1995 in Südafrika durch die Springbocks, dem einst verhassten Apartheid-Symbol, brachte ein Gefühl noch nie dagewesener Zusammengehörigkeit von Schwarzen und Weißen hervor.

Es verwundert daher auch nicht, das Mandela sich nach seiner Präsidentschaft mit der ihm bekannten "freundlichen" Beharrlichkeit weltweit für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika einsetzte. Der FIFA-Weltcup 2010 ist vor allem auch ihm zu verdanken.

Für das Südafrika von heute ist die Fußballweltmeisterschaft wichtig. Gerade heute kann die Kaprepublik eine klare Vision und Inspiration wieder gut gebrauchen. Heute sind die Menschen vom Joch der Apartheid zwar befreit, dafür leiden sie aber unter der zunehmenden Armut und hohen Arbeitslosigkeit. Die Unzufriedenheit wächst. Die Fremdenfeindlichkeit in den Township hat zugenommen. Schlägertrupps massakrierten und trieben in organisierten Razzien 2008 viele Ausländer und Flüchtlinge aus überwiegend anderen afrikanischen Ländern wie Simbabwe durchs Land.

Unter Mandelas Nachfolgern im Präsidentenamt ist das Gefühl der Zusammengehörigkeit zunehmend verblasst. Thabo Mbekis Politik der Afrikanisierung (African Renaissance) hat die Spaltung sogar verstärkt. Die Glaubwürdigkeit des amtierenden Präsidenten Jacob Zuma leidet unter seinen Sex-Eskapaden, auch wenn er Mandela bei der Regierungserklärung am 11. Februar versprach, sein Erbe der Versöhnung fortführen zu wollen.  

Die Fußballweltmeisterschaft löst diese Probleme nicht. Aber sie könnte, wie einst die Rugby-Weltmeisterschaft, dazu beitragen, dass Mandelas "long walk to freedom" friedlich, mit Stolz und Zuversicht fortgesetzt wird.

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