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Anlässlich der Verleihung des Olof-Palme-Preises 2008 an den kongolesischen Frauenarzt Dr. Denis Mukwege erklärt Kerstin Müller, außenpolitische Sprecherin:
Wir gratulieren Dr. Mukwege zur Verleihung des Olof-Palme-Preises 2008 für seinen Einsatz im Kongo. Erst kürzlich erhielt er die Auszeichnung "Afrikaner des Jahres 2008", was sein herausragendes Engagement im Kongo unterstreicht.
Als Chefarzt des Panzi-Hospitals in der ostkongolesischen Provinzhauptstadt Bukavu sorgen Dr. Mukwege und sein Team seit Jahren unermüdlich für Frauen und Kinder, die Tag für Tag Opfer brutalster sexualisierter Gewalt werden. Milizen im Ostkongo setzen Vergewaltigungen systematisch als Kriegswaffe ein. Sie erniedrigen und demoralisieren Frauen und Kinder. Ein friedliches Zusammenleben der Menschen wird so unmöglich gemacht. Dieser Wahnsinn muss endlich ein Ende haben.
Das Panzi-Hospital ist für tausende Frauen und Kinder zur zentralen Anlaufstelle geworden, um ihre physischen und psychischen Wunden behandeln zu lassen. Doch angesichts von 100.000 geschätzter Vergewaltigungen seit Beginn der Kämpfe ist das Hospital völlig überfordert.
Frauen und Kinder werden aber auch immer wieder Opfer von Vergewaltigungen, weil Justiz und Polizei nicht funktionieren. Die Täter haben keine Konsequenzen zu fürchten. Der Teufelskreis der Straflosigkeit muss endlich durchbrochen werden.
Wir fordern die Bundesregierung auf, ihren Beitrag zur medizinischen, psychologischen und juristischen Unterstützung der Opfer sowie zum Aufbau einer funktionsfähigen Justiz, Polizei und Verwaltung erheblich zu verstärken. Dazu muss sie auch den sogenannten Friedensfonds für den Kongo endlich umfangreich und unbürokratisch einsetzen.
Außerdem sollte sich die Bundesregierung mit Blick auf die Hauptursache sexualisierter Gewalt, der fortdauernden Kriegsgewalt, gerade jetzt für eine neue Friedensinitiative engagieren, die eine dauerhafte Demobilisierung von Milizen enthalten muss. Angesichts der aktuellen Annäherung zwischen Kongo und Ruanda und deren gemeinsamen Vorgehens gegen die Milizen stehen die Chancen auf einen erfolgreichen Friedensprozess für den Ostkongo so gut wie schon lange nicht mehr.