Kerstin Mueller, MdB

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23. August 2007

"Einfach raus - das wäre ein Scheitern"

Borkener Zeitung

-job- Reken/Kreis Borken. Raus aus Afghanistan - Ja oder Nein? Den Tornadoeinsatz dort weiter unterstützen Ja oder Nein? Mit Fragen wie diesen müssen sich die Grünen beschäftigen, wenn sie sich am 15. September in Göttingen zum Sonderparteitag treffen. Und weil Antworten auf solche Fragen angesichts der verwickelten Situation in Afghanistan nicht einfach zu geben sind, hatte der Grünen-Kreisverband am Dienstag Kerstin Müller zu Gast.

Die Bundestagsabgeordnete, frühere Fraktionschefin und ehemalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt war selbst mehrfach vor Ort, war bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg 2001 dabei - und legte differenziert dar, warum das Land nach 23 Jahren Krieg ihrer Auffassung nur durch sowohl militärische als auch zivile Hilfe nach vorne zu bringen sei.

Während der Anti-Terror-Einsatz OEF nach Auffassung von Müller gescheitert ist, helfe die Nato-geführte ISAF-Mission, die Sicherheitslage im Land zu stabilisieren. "Es gibt ohne Entwicklungspolitik keinen Aufbau, aber auch ohne Sicherheit keinen Aufbau", so die 43-Jährige, die Obfrau ihrer Partei im Auswärtigen Ausschuss ist. Ihrer Auffassung nach seien die Strukturen in Afghanistan (Justiz, Verwaltung, Wirtschaft) noch zu labil, als dass das Land ohne Hilfe von außen zurecht käme. "Einfach raus, das wäre ein Scheitern von Uno, Nato und der EU, das hätte verheerende Folgen für Konflikte in aller Welt", so Müller. Im Übrigen würden die Deutschen auch gar nicht als Besatzer angesehen. Und: "80 Prozent der Afghanen wollen, dass die internationale Gemeinschaft bleibt", so ihre Einschätzung.

Obschon es ohne Militär vorerst nicht gehe und der Tornado-Einsatz der Bundeswehr geholfen habe, zivile Opfer vermeiden zu helfen, sei es sinnvoll, die finanziellen Mittel für den zivilen Wiederaufbau "massiv aufzustocken", so die Grüne. So gelte es, den Bauern Alternativen zum Anbau des zur Drogenherstellung nötigen Mohns anzubieten, die Bildung zu verbessern und die Korruption ("Ein riesiges Problem") zu bekämpfen. "Wir dürfen noch nicht aufgeben, sondern wir müssen vieles besser und richtiger machen als bisher", so ihr Plädoyer für einen (vorerst) weiteren Verbleib der Deutschen im Land. Am Montag (3. September) informieren die Grünen übrigens erneut übers Thema "Internationale Sicherheit". Dann spricht der früherer Landtagsabgeordnete Siggi Martsch ab 19 Uhr im Cafe Villa in Borken zum Thema "Irak/Kurdistan".

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