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Deutscher Bundestag
Große Anfrage
der Abgeordneten Kerstin Müller (Köln), Volker Beck (Köln), Marieluise Beck (Bremen), Uschi Eid, Thilo Hoppe, Ute Koczy, Omid Nouripur, Rainder Steenblock, Jürgen Trittin und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Humanitäre Katastrophe in Darfur
Die Lage in der westsudanesischen Provinz Darfur ist dramatisch: seit Beginn der Kämpfe im Februar 2003 starben ca. 300 000 Menschen, mehr als 2 Millionen wurden vertrieben, Massenvergewaltigungen sind an der Tagesordnung und ganze Familien und Dörfer werden dahingemetzelt. Seit Juli 2006 wurden auch etliche Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen bei Überfällen ermordet und große Gebiete sind inzwischen unzugänglich für die dringend benötigte humanitäre Hilfe, einige Hilfsorganisationen wurden auch des Landes verwiesen. Nach UNO-Angaben handelt es sich um die gegenwärtig schwerste humanitäre Krise weltweit.
Seit der Unterzeichnung des Darfur Friedensabkommens (DPA) in Abuja am 5. Mai 2006 hat sich entgegen anfänglichen Hoffnungen die Lage in Darfur erheblich verschlimmert. Ganze Regionen sind von der Versorgung abgeschnitten, neue Kämpfe ausgebrochen. Erstmalig kam es zu massiven Kämpfen zwischen Rebellengruppen untereinander, schließlich zu einer andauernden sudanesischen Militäroffensive vor allem gegen die aus DPA-Nichtunterzeichnern gegründete Rebellenfront NRF. Dabei bombardiert die sudanesische Armee auch zivile Ziele aus der Luft, regierungstreue Djanjaweed-Milizen überfallen immer wieder Dörfer und Zivilisten außerhalb der Flüchtlingslager und richten dabei grausame Massaker an. Die Kämpfe haben sich auch auf die Nachbarländer Tschad und die Zentralafrikanische Republik ausgeweitet und destabilisieren die gesamte Region. Insbesondere ist auch das Nord-Süd-Friedensabkommen (CPA), das den Nord-Süd-Bürgerkrieg im Sudan beendet hat und von der UNO-Friedensmission UNMIS - mit deutscher Beteiligung -überwacht wird, akut in Gefahr.
Die Friedensmission AMIS der Afrikanischen Union (AU) ist mit 7000 Soldaten in Darfur stationiert, kann aber wegen unzureichenden Mandats, zu geringer Größe, chronischer Unterfinanzierung und mangelnder Erfahrung den Schutz von Zivilisten nicht gewährleisten. Am 31. August 2006 beschloss der VN-Sicherheitsrat daher mit Resolution 1706, den Auftrag von UNMIS auf Darfur auszuweiten und unter Artikel VII der UNO-Charta zu stellen. Bei Zustimmung der Regierung des Sudans sollen 20.000 VN-Soldaten und –Polizisten mit einem robusten Mandat in Darfur stationiert werden. In der Abstimmung über die UNO-Resolution 1706 haben China und Russland sich enthalten. Die sudanesische Regierungspartei NCP, die die Regierung der Nationalen Einheit im Sudan faktisch dominiert lehnt im Gegensatz zur ebenfalls an der Regierung beteiligten südsudanesischen SPLM eine UNO-Friedensmission in Darfur kategorisch ab. Die chinesische Führung hat zuletzt ihre Unterstützung der Regierung in Karthoum auf dem China-Afrika-Gipfel in Peking im Oktober 2006 bekräftigt. Sowohl China als auch Russland verfolgen im Sudan eigene Öl-Interessen.
Auf dem internationalen Krisengipfel in Addis Abeba mit VN-Generalsekretär Kofi Annan erklärten Vertreter der sudanesischen Regierung am 16. November 2006 ihre Bereitschaft, AMIS durch UNO-Unterstützung zu verstärken. Jedoch bleibt die sudanesische Regierungspartei NCP bei ihrer strikten Ablehnung eines UNO-Kommandos und es bleibt unklar, inwieweit sie lediglich technischer und logistischer Unterstützung durch die UNO oder auch der Stationierung eines UNO-Kontingents unter AU-Kommando zustimmen wird.
Die Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel, sagte am 6. September 2006 vor dem Deutschen Bundestag: "Wir haben uns für ein Engagement im Kongo entschieden und wir leisten beispielsweise in Darfur Logistikhilfe. Ich sehe aber im Augenblick keine Möglichkeit, dass wir neben unserem Engagement im Kongo ein zusätzliches Engagement in Darfur übernehmen." SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Struck sagte dagegen am 16. November 2006 im Deutschlandfunk, die Bundesregierung müsse eine Darfur betreffende UNO-Anfrage ernsthaft prüfen und ergänzte, dass dies ein "brisantes Mandat" wäre, dass "auch mit Kampfeinsätzen der Soldaten verbunden sein könnte".
Wir fragen die Bundesregierung
I.
II.
Antwort Bundesregierung Große Anfrage "Humanitäre Katastrophe in Darfur"